[autonomia dachau]

15.06.24 Fight with Pride! CSD in Dachau

15.06.24 | Max-Mannheimer-Platz | 15:00 Uhr Start Demonstration | ab 12:00 Uhr Straßenfest

“Eine Gesellschafts-und Bildungspolitik, die Gender-Ideologie und Frühsexualisierung folgt, lehnen wir ab” und „Frühsexualisierung verhindern“. Welcher dieser Sätze aus dem CSU Grundsatzprogramm 2020 und welches von der Münchner AfD Stadtratsfraktion 2023 stammt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Eine antiqueere Haltung liegt Konservativen wie Neofaschist*innen zugrunde und bildet die geistige Grundlage für eine jährlich zunehmende Gewalt gegen LGBTQ+ Personen. In rhetorischer Aggressivität nehmen sich die Protagonist*innen nicht viel. Beatrix von Storch (AfD) sah vor 10 Jahren schon, dass „das Gift der Genderideologie nicht mehr tröpfchenweise“ daher komme, sondern „in einer Klarheit und Gewalt“, welche Widerstand zur Pflicht mache (queer.de 03.04.2014).

Der stellvertretende bayerische Ministerpräsident und FW Vorsitzende Aiwanger polterte bei der Heizungsgesetz-Demo in Erding 2023 in gewohnter Manier „Ich hab die Nase voll, wenn man in der Früh aufsteht, die Zeitung aufschlägt oder das Radio einschaltet, und es kommt nur links-grüner Gender-Gaga auf uns zu.“

Von da her weht der Wind. Das Eintreten für das Selbstbestimmungsrecht einer gesellschaftlichen Minderheit wird dem zu Folge zum Alleinstellungsmerkmal eines Zeitgeistes, der die Bevölkerung in eine vermeintlich linke Ideologie umzuerziehen beabsichtigt. Das riecht nicht nur nach Verschwörung, es ignoriert Realitäten und spricht vielmehr allen queeren Menschen das Recht auf freie Entfaltung und Bestimmung über ihren Körper ab. Konservative und extrem Rechte gehen sich hier selbst auf den Leim, wenn sie ausgehend von ihrer eigenen bigotten Prüderie Sexualität als das Kriterium zur Bemessung des aus ihrer Sicht zunehmenden gesellschaftlichen Verfalls entdeckt haben.

Dabei könnte man mit ein bisschen Heuchelei Aufgeschlossenheit suggerieren. Sogar das Kapital hat erkannt, dass man sich mit einer Regenbogenfahne modern und weltoffen darstellen kann. Um das zu beobachten muss man gar nicht weit weg fahren. MAN und die Helios Kliniken exerzieren das schon vor. Letztere sind beim Spagat zwischen Konzern-Shirts mit Regenbogen, Vielfaltskampagnen und der Ausbeutung migrantischer, überwiegend weiblicher Arbeitskraft völlig schmerzfrei. Konzerne laufen seit Jahren beim CSD in München mit und tragen zu dessen Entpolitisierung bei. Konzerne sind keinerlei Bündnispartner und können dies auch nicht sein. In Zeiten fortschreitender Polarisierung und einer von den genannten politischen Akteuren gepushten Stilisierung zu einer Art „Kulturkampf“, sind radikale Antworten nötig. Von einer Gesellschaft jenseits kapitalistischer Verwertungslogik und Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung sind wir weit entfernt.

Nichtsdestoweniger: Dafür kämpfen wir – jeden Tag! Darum gehen wir auf die Straße – am 15. Juni beim CSD in Dachau! Gegen Neofaschist*innen, konservative Kleingeister, fundamental Religiöse, Antifeministen und ihre Gewalt! Für das Leben