[autonomia dachau]

18.März 2009 – Tag der politischen Gefangenen

Aktion in Dachau

Einige Leute aus dem selbstverwalteten JUZ Freiraum waren dieses Jahr mit einer kleinen Aktion am Start. Zwar ging es den Akteuren mehr um die künstlerische Freiheit, bzw. alternative Aktionsformen, aber inhaltlich sollte auf die weltweite Existenz von Gefangenen- und Straflagern aufmerksam gemacht werden.

Denn was hinter den Zäunen und Mauern eben solcher passiert entzieht sich für die meisten jeglicher Kenntnis. Hinzu kommt, dass es im goldenen Westen vielen einfach auch scheißegal ist.

Was liegt da näher als den Bürgern die Gefangenen vor die Nase zu setzen und sie somit mit der Thematik zu konfrontieren?

In orangen Guantanamo-Anzügen mit Säcken überm Kopf wurden einige aneinander gekettete „Inhaftierte“ von zwei „AufseherInnen“ durch Dachau getrieben.

Auf Grund des guten Wetters waren die Straßen gefüllt. Nach kurzer Zeit schon zog der Gefangenenmarsch die Aufmerksamkeit der PassantInnen auf sich. Viele fotografierten spontan, auch aus Autos heraus. Manche Autos fuhren langsamer, um dem Treiben zuzusehen, oder auch ihre Gedanken zu ordnen. Denn es war auf den ersten Blick nicht klar was diese Performance darstellen sollte. Obwohl die Gefangenen so gut wie möglich von ihren vermeintlichen Peinigern drangsaliert wurden. Das Ordnungsamt hatte in den Auflagen das Verteilen von Flugblättern untersagt. Also schmuggelten die Gefangenen den PassantInnen kleine Kassiber zu, auf denen stand: „Hilfe – auch wenn vielleicht noch dieses Jahr Guantanamo Bay geschlossen wird, so gibt es noch unzählige Lager weltweit.“ Wer aber nicht direkt an den Gefangenen vorbei kam konnte keinen Kassiber bekommen.

Eine Aktion in Dachau und noch kein Wort über Bullen? Wirklich wahr. Weder auf der Münchner Straße, nicht einmal am Bahnhof tauchten sie auf. Erst in der Altstadt, auf der Höhe des Rathauses, ließen es sich die Hüter des Gesetzes nicht nehmen zu checken ob denn alles mit rechten Dingen abläuft. Sie stoppten den Zug und ließen sich den Auflagenbescheid zeigen. Das war aber auch alles. Da der Streifenwagen die Kreuzung am Karlsberg versperrte, sich die Autos bereits stauten, Schaulustige am Straßenrand dazu gesellten und die Gefangenen kollektiv niederknieten, kam doch etwas Wirbel zustande.

Insgesamt wurde die Performance diszipliniert durchgezogen und die PassantInnen hatten was zum nachdenken. Guantanamo und Abu Greíb sind für die meisten Menschen in weiter Ferne. Insofern war es grundsätzlich richtig die Abartigkeiten greifbar nahe zu bringen. Man hätte, gerade an einem solchen Datum, durchaus weiter ausholen können. Den Menschen in Lagern ganz in unserer Nähe wird es nicht viel geholfen haben. Die Menschen in der Asylbewerber-Unterkunft in der Kufsteiner Straße Dachau werden weiter unter inhumanen Zuständen zu leiden haben. Die jugendlichen HausbesetzerInnen aus München sind weiter in Haft.

Auch wird eine solche Performance erst recht keine Konsequenz für die alltäglichen sozialen Widersprüche haben. Gerade die haben im Zuge der kapitalistischen Krise noch enorm an Schärfe zugelegt. Stellenabbau, Kurzarbeit, Entlassungen gehen weiter und die Linke blickt, wie immer, so weit über den Tellerrand hinaus, dass sie die Dinge direkt vor sich übersieht.

Aber man sollte dennoch nicht zu kritisch sein. Schließlich handelte sich hierbei um Kunst.

Freiheit für alle politischen Gefangenen

Klassensolidarität

soziale Emanzipation

organisierte Autonomie

aaud kehrt weiter vor der eigenen Haustüre