[autonomia dachau]

30% aller Arbeitsverhältnisse in Dachau sind Minijobs

Wer hätte damit gerechnet? Der Dachauer Arbeitsmarkt wird regelmäßig aus allen Mündern für seine Stabilität und niedrigen Arbeitslosenzahlen über den Klee gelobt. Aber nach einer Studie des „Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts“ (WSI) der dem DGB nahestehenden „Hans-Böckler-Stiftung“, sind im Landkreis Dachau 30,5% der Beschäftigungsverhältnisse Minijobs. Als Minijobs gelten von Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung befreite Stellen mit einer Verdienstobergrenze von 400 Euro. Seit Jahreswechsel wurde diese auf satte 450 Euro angehoben.

Im Juni 2011 wurden im Landkreis 14.291 Minijobs gegenüber 32.595 Voll- und Teilzeitbeschäftigungen gezählt. Bundesweit liegt Dachau damit auf Platz sieben, bayernweit sogar auf Platz eins!

Nun mussten schnell Erklärungen gefunden werden. Eine solche suchte der Wirtschaftsförderer im Landratsamt Johann Liebl gegenüber der Presse vergeblich. Der Leiter des Dachauer „Jobcenters“ Peter Schadl konnte sich das Ergebnis nur so erklären, dass es „hier einfach viele Jobs“ gebe. Seine zweite Einschätzung war da schon realistischer. Auf Grund der hohen Mieten würden viele zusätzlich auf einen Minijob zurückgreifen, um sich beispielsweise ein Auto leisten zu können. Und tatsächlich sind in Dachau die Mieten bundesweit am fünft teuersten. Da sich dies in absehbarer Zeit nicht ohne Eigeninitiative ändern wird, sehen wir einer Zukunft entgegen, in der Zweitjobs zum Leben dazu gehören, da der eigentliche Lohn nicht zum Leben ausreicht. Das ist dann der „Wohlstand“, den die „soziale Marktwirtschaft“ auszeichnet.