350 Menschen beim CSD Dachau

Jahr für Jahr bieten tausende Menschen der LGBTQI+ Community bei CSD-Demonstrationen den reaktionären gesellschaftlichen Entwicklungen die Stirn. Es sind die CSDs in kleineren Städten, welche umso interessanter sind. Der CSD Dachau wird selbstorganisiert. So auch dieses Jahr am 05.07.26. Es beteiligen sich keine Unternehmen, die mit Pinkwashing verschleiern, dass die kapitalistischen Verhältnisse den Grundstein für Ausbeutung und Unterdrückung darstellen. Unternehmen wollen sich so als fortschrittlich präsentieren, machen sich dabei aber lediglich Attribute zu eigen, die diese Ausbeutung nicht existenziell gefährden können. Für diskriminierende Gesetzgebungen und gesellschaftliche Ablehnung sind dieser Logik zufolge schließlich andere verantwortlich.
Gerade letzteres war Thema bei der Auftaktkundgebung beim Straßenfest am Max-Mannheimer-Platz. Darüber hinaus wurde ein deutliches Signal gesendet die Zustände nicht zu akzeptieren und Teil eines emanzipatorischen Kampfes zu sein, der über die reine Verteidigung der eigenen Rechte hinaus geht.
Dabei wurden natürlich auch extrem rechte Kräfte – allen voran deren Parteiableger AfD – erwähnt, für die die LGBTQI+ Community Ausdruck und primäres Beispiel einer „unnatürlichen“ Entwicklung ist. Ob christlich geprägt, dass es nur Männer und Frauen gibt, welche eine Kleinfamilie als Grundstein der Gesellschaft bilden sollen, ob völkisch geprägt, dass das „Deutsche“ dadurch im Begriff sei auszusterben oder konservativ, dass zu viel Vielfalt die ach so bewahrenswerte Gesellschaft samt ihrer Traditionen und Werte verschiebe – in ihrer queerfeindlichen Ablehnung sind sich verschiedene reaktionäre Akteure nicht nur einig, Queerfeindlichkeit ist ihr verbindendes Glied. Das wird auch bei Jugendlichen mehr und mehr deutlich.
Bereits im Vorfeld wurden am Taschner-Gymnasium Plakate des CSD Dachau abgerissen und entwendet. An der Realschule Dachau wurde vier Tage vor dem CSD ein Hakenkreuz auf das Plakat des Queertreffs geklebt. Vor dem CSD in Karlsfeld am 20.06.26 wurden am 11.06.26 Flaggen des so genannten „Stolzmonats“ der extremen Rechten von zwei Brücken gehängt. Beim Münchner CSD am 27.06.26 hing ein versprengtes Grüppchen der neofaschistischen „Identitären“ ein „White Boys Summer“ Transparent während der Demo von einem Gerüst.
V.a bei jungen Männern verfängt sich extrem rechte Propaganda. Queerfeindliche Ablehnung ist neben Rassismus die Eintrittspforte für deren Ideologie. Bereits am Max-Mannheimer-Platz fiel eine Gruppe Jugendlicher auf, die offensichtlich gekommen war, um diese Ablehnung auszudrücken. Nachdem sie mit sanftem Nachdruck das Straßenfest verließen, warteten sie den Demozug am Subway in der Münchner Straße ab und zeigten dem Pride March maximal einfallslos den Mittelfinger. Auch am Bahnhof waren einzelne Personen bzw. Jugendliche auffällig. Zu einer Störung des Demozuges kam es jedoch zu keinem Zeitpunkt. Dafür gab es deutlichen Zuspruch, der klar überwog. Genau darauf kommt es an. Insgesamt ist der Spagat zwischen politischem Ausdruck und Party gelungen, wenn auch die Stimmung schon mal ausgelassener war. Der CSD in Karlsfeld war etwas lebendiger. Beide haben von der Anzahl der Teilnehmenden Zuwachs zu verzeichnen. In Karlsfeld beteiligten sich 300, in Dachau 350 Menschen und dazu mehr Jugendliche. Das zeigt, dass sich immer mehr Menschen empowert fühlen.
Die gesellschaftlichen Verhältnisse haben keine Garantie auf Ewigkeit. Sie können geändert werden – in welche Richtung dies geschieht liegt an uns und ob wir in der Lage sind reaktionären Rückbau und neoliberalen Sozialabbau gemeinsam aufzuhalten, zu überwinden und eine Gesellschaft jenseits kapitalistischer Ausbeutung zu schaffen, in der alle Menschen Platz haben.