[autonomia dachau]

450 streikende Erzieherinnen demonstrieren in Dachau

Es ist doch so: Wir bringen Kinder am Morgen in Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen. Fahren dann mit dem Bus und/oder der Bahn in die Arbeit. Währenddessen wird der Müll zu Hause abgeholt. Sollte uns etwas passieren, können wir 24 Stunden in ein Krankenhaus gehen. Alles ganz normal. Alles ganz automatisch. Es sind Dinge, die in einer Gesellschaft vorausgesetzt werden. Zu recht. Es sind Dinge, die sich auf das Zusammenleben aller auswirken. Wenn dort Beschäftigte eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und Entlohnung einfordern und dies sich durch einen Streik ausdrückt, sind auch viele von einem Ausstand betroffen. Dann sinkt bei manchen das Verständnis dafür, gleichwohl nimmt man alle Annehmlichkeiten als selbstverständlich wahr. Unsolidarische Äußerungen und unsolidarisches Verhalten mussten v.a. die Lokführer_innen, medial gepusht durch Wirtschaft und Politik, erfahren.

Beschäftige im sozialen Bereich erfahren hier deutlich mehr Akzeptanz. Die streikenden Erzieherinnen der kommunalen Kindertagesstätten konnten bei ihrer Aktion am 20.4.15 vor dem Rathaus in Dachau auf breiten Zuspruch zurückgreifen. Neben den Dachauer Einrichtungen, streikten auch Beschäftige aus Bergkirchen, Günding und Olching, sowie städtische JUZ. Auch aus München kamen Kolleg_innen.

Auf den ersten Blick ist es ein Kampf um mehr Lohn. 10% Lohnerhöhung und somit eine feste, höhere Eingruppierung v.a. für Kinderpflegerinnen. Bisher können Zulagen, wie beispielsweise in München, bei Bedarf mittels Stadtratsbeschluss wieder aufgehoben werden. Skandalös mutet es da an, dass die Gegenseite nach vier Verhandlungsrunden nicht einmal bereit ist, überhaupt ein Angebot vorzulegen. Auf die Forderungen gehen sie gar nicht ein. Es interessiert sie schlichtweg nicht (wenn das die GDL bringen würde….).

Rein logisch muss jetzt ein langfristiger Arbeitskampf geplant werden. Der Münchner Verdi-Chef Heinrich Birner hat allerdings hierfür seine ganz eigene Logik. In einer Pressemitteilung vom 10.4.15 bezeichnet er den Warnstreik am 20.4. als Mittel, um „einen unbegrenzten Durchsetzungsstreik“ zu „verhindern“. Solche Gewerkschafter wünscht sich die Gegenseite. Dem Unmut wird mit einer Ein-Tages-Aktion kurz und geordnet Ausdruck verliehen und so möglichst gering gehalten. Dann kriegt Birner keinen Ärger mit den Trägern, Medien und Eltern. Unmut und Ärger gibt es unter den Beschäftigen aber sehr wohl. Sie klagen über hohe Belastung durch Personalmangel. Ein Aspekt, der – wie so oft in den rituellen DGB-Arbeitskämpfen – weder verhandelt noch ausreichend diskutiert wird. Wichtig scheint es den Streikenden allerdings sehr zu sein. Und kontrovers genug, dass Zitierte ihren Namen nicht gegenüber der Presse nennen wollen.

Von Funktionären wie Birner sind nur „Gute Arbeit – Gutes Geld“-Floskeln zu erwarten. Man kann nur hoffen, dass die kämpfenden Beschäftigen aus der Aktion genug Mut geschöpft haben, um ihre Belange auch selbst durchzusetzen. Schließlich war es der erste Streik von Erzieherinnen in Dachau. Und die Beteiligung war groß. Die Chancen, dass sich hier etwas zum positiven ändert stehen seit gestern schon mal nicht schlecht.

Solidarität mit dem Streik der Erzieherinnen