Alt aber dennoch aktuell
“Die Unternehmer haben das qualitativ Neue an deinen Kampfformen, die, so informell sie sein mögen, sich unmittelbar gegen den kapitalistischen Gebrauch der Maschinerie und eine zynische Arbeitsorganisation richten, genau kapiert. Sie wissen, daß dein feindliches Verhalten gegen die Arbeit in all seinen keimhaften Erscheinungsformen zur Alternative gegen den gewerkschaftsreformistischen Zyklus um Lohnzahlen und abgestufte Streiks geworden ist. Und weil sie sich über die Tragweite deines bewußten Widerstands gegen eine sinnlos gewordene Arbeitsmoral klargeworden sind, sind sie schon jetzt mit allen Mitteln gegen dich zum Endkampf angetreten:
– sie versuchen, einen Teil deiner Klassengenosssen so umzustrukturieren, daß er sich erneut mit der Arbeit identifiziert, daß er bereit ist, einen gesellschaftlichen Wandel, der auf Selbstbeteiligung an der Ausbeutung hinausgeht (Mitbestimmung), als unausweichlich hinzunehmen.
– sie versuchen, einen teil deiner Klassengenossen so umzustrukturieren, Produktion, mit denen es keinen status quo geben kann, weil sie als Lückenbüßer für fallende Mehrwertmassen unersetzbar sind, von der gesamten Klasse zu isolieren.
– und sie versuchen, diese isolierte Schicht der Klasse einem verschärften inneren Belagerungszustand auszusetzen, einem Belagerungszustand, der aus ihnen, die sie die Arbeit abgrundtief hassen, hilflose Arbeitssklaven macht.”(Karl Heinz Roth/Elisabeth Behrens, Die andere Arbeiterbewegung)
„Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit, die selbst nur die Äußerung einer Naturkraft ist, der menschlichen Arbeitskraft. Jene Phrase findet sich in allen Kinderfibeln und ist insofern richtig, als unterstellt wird, daß die Arbeit mit den dazugehörigen Gegenständen und Mitteln vorgeht. Ein sozialistisches Programm darf aber solchen bürgerlichen Redensarten nicht erlauben, die Bedingungen zu verschweigen, die ihnen allein einen Sinn geben. Nur soweit der Mensch sich von vornherein als Eigentümer zur Natur, der ersten Quelle aller Arbeitsmittel und -gegenstände, verhält, sie als ihm gehörig behandelt, wird seine Arbeit Quelle von Gebrauchswerten, also auch von Reichtum. Die Bürger haben sehr gute Gründe, der Arbeit übernatürliche Schöpfungskraft anzudichten; denn grade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein andres Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der andern Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben. (…)
Was ist “gerechte” Verteilung?
Behaupten die Bourgeois nicht, daß die heutige Verteilung “gerecht” ist? Und ist sie in der Tat nicht die einzige “gerechte” Verteilung auf Grundlage der heutigen Produktionsweise? Werden die ökonomischen Verhältnisse durch Rechtsbegriffe geregelt, oder entspringen nicht umgekehrt die Rechtsverhältnisse aus den ökonomischen?“(Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms)