[autonomia dachau]

Demonstration gegen Kapitalismus & Krise in Dachau

Am Samstag, den 23.11.24, demonstrierten 60 Menschen durch Dachau, um gegen Mietwucher, Sozialabbau und soziale Ausgrenzung Stellung zu beziehen und für die Überwindung des kapitalistischen Systems als Ganzes einzutreten. Unter dem Motto „Reclaim the City – Alles für Alle – die Krise heißt Kapitalismus“ stand die Demonstration darüber hinaus für einen bedingungslosen Antifaschismus ohne Wenn und Aber.

Bereits vor dem Auftakt am Dachauer Bahnhof zeigte sich ein völlig überzogenes Polizeiaufgebot, das Stunden vor der Demo mit mehreren Wannen im Konvoi durch Dachau und mehrmals am selbstverwalteten Zentrum Freiraum auf und ab fuhr. Vor dem Start wurde in zwei Redebeiträgen darauf aufmerksam gemacht, was es in Dachau bedeutet, wenn am Ende des Monats das Geld knapp wird, man sich die hohen Mieten nicht leisten kann – man andererseits durch Politik und Unternehmen zu noch mehr Leistung und Verzicht aufgefordert wird.

Anhand von lokalen alltäglichen Ansätzen, wie dem Solidarity Network Dachau und dem Tausch von Bezahlkarten in Bargeld mit Geflüchteten, wurde der Aufbau von Gegenmacht mit praktischen Beispielen dargelegt. Mit aktuell massenhaft geplanten Entlassungen in der Industrie, dem Zusammenbruch der Regierung und einer immer selbstbewussteren extremen Rechten fand die Demo genau zur richtigen Zeit statt. Allerdings ist die radikale Linke nicht im Ansatz in der Lage Inhalte, welche große Teile der Menschen authentisch ansprechen und in ihrem Alltag abholen, zu formulieren. Daher war die Thematik der Aktion entsprechend breit gehalten. Die Demonstration sollte die radikale antiautoritäre Linke als eigenständige politische Kraft in Dachau darstellen – dies dürfte im Großen und Ganzen gelungen sein, wenngleich mehr beteiligte Menschen natürlich wünschenswert gewesen wären.

Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Es wurden durchgehend laute Parolen gerufen. An der Ecke Martin-Huber-Straße Ludwig-Thoma-Straße fühlte sich eine vierköpfige Gruppe alkoholisierter Bahnhof Atzen kurz motiviert Menschen am Ende der Demo mit den Worten „Ich bin Nazi“ körperlich zu bedrängen. Die unmittelbar eingreifende Polizei kam der entsprechenden Antwort aus der Demonstration selbst zuvor. Über die Mittermayerstraße ging es unter Parolen wie „Die Häuser denen, die drin wohnen“ in die Altstadt, wo am Schrannenplatz eine abschließende Kundgebung abgehalten wurde. Thematisch ging es hier um Abschiebehaft in Bayern und die Situation der inhaftierten Nürnberger Genossin Hanna und den gesamten Komplex von Auslieferung bedrohter Antifaschist*innen nach Ungarn. Beiträge des CSD Dachau und autonomen Antifas aus Dachau verdrängten kurzzeitig die glückselige Stimmung der vom Weihnachtsmarkt kommenden Passant*innen.

Die Demonstration ging noch über den Karlsberg und endete am Freiraum, wo sich die Polizei auch rasch zurück zog.

Die Stadt für Alle! Alles für Alle!