[autonomia dachau]

Ebersberg: Neonazis greifen Döner-Laden mit Messer, Hämmern und Baseballschläger an

Vergangenen Freitag, den 25.09.2015 griffen Neonazis aus Ebersberg einen Döner-Laden gegenüber des Ebersberger Bahnhofs an. Bereits im Vorfeld pöbelten zwei Nazis, die später unter den Angreifern waren, am Bahnhof Migrant_innen an. Der Besitzer des Döner-Ladens rief die Polizei. Die brauchte 20 Minuten, obwohl die Inspektion nur 400 Meter entfernt liegt. Natürlich waren die Nazis da bereits verschwunden.

Später am Abend kamen die Neonazis zu acht zurück, stürmten ins Lokal und griffen Gäste mit einem Messer, Hämmern und Baseballschlägern bzw. Holzlatten an. Dabei riefen sie Parolen wie: “Ausländerschweine, haut ab!” (AIDA Chronologie September). Zwei Angegriffene mussten anschließend im Krankenhaus behandelt werden, einer mit Schnittwunden. Die alarmierte Polizei brauchte erneut 20 Minuten. Wieder konnten die Neonazis flüchten. (Merkur.de 28.09.2015)

Überhaupt weigert sich die Polizei einzugestehen, dass vor Ort eine extrem rechte Szene existiert. Kennen dürften sie dennoch Personen. Die Acht wurden in der gleichen Nacht in einer Wohnung gestellt und festgenommen. Allerdings befinden sie sich wieder auf freiem Fuß – bei einem Angriff mit einem Messer und Hämmern! Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft möchte dabei keine Tötungsabsicht erkennen: “Nur wenn jemand ein Messer mitbringt, ist er noch kein versuchter Totschläger.” (SZ München 29.09.2015)

Auch der eingeschaltete Staatsschutz sieht das Problem nicht nur von rechts kommend und doch dem Anschein nach nur auf einem Auge: “Es gibt überall welche, die zu stark rechts tendieren, genauso wie nach stark links.” (SZ München 29.09.2015)

Bürgermeister und Landrat haben sich erst am Montag zu den Vorfällen geäußert. Letzterer wurde nach eigenen Angaben erst zu diesem Zeitpunkt informiert. Die Grünen hielten am Sonntag eine Kundgebung gegen rechts ab. Vorfälle im Landkreis Ebersberg häufen sich seit Jahresanfang. Man sieht hier deutlich, dass eine qualitative Steigerung auftritt, wenn man nichts gegen Neonazismus unternimmt und ihnen Spielraum gewährt. Das betrifft die Zivilgesellschaft zum Teil, vielmehr aber die Polizei, die die Vorfälle bis zum heutigen Tag verharmlost. Aber bei Aussagen wie obiger bleiben sowieso keine Fragen offen.

Vorfälle:

– anfangs tauchten im Januar vereinzelt Nazischmierereien in Grafing auf

– im März waren es Drohbriefe und sogar Drohanrufe gegen eine griechische Wirtschaft in Kirchseeon

– April bis Juni massenhaft neonazistische Aufkleber in Ebersberg und Poing

– Ende Juli Nazischmierereien an einer Flüchtlingsunterkunft in Altenerding

– im August verteilt die Neonazipartei “Der Dritte Weg” rassistische Flugblätter in Altenerding

In einem solchen Klima werden Neonazis selbstbewusst. Der vorläufige Gipfel ist dann ein brutaler Übergriff wie dieser. Soweit hätte es nicht kommen dürfen. Die beste Prävention ist nach wie vor konsequenter und entschlossener Antifaschismus.

**Neonazis keinen Millimeter

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