[autonomia dachau]

In die Offensive! Besuch bei AfD Veranstaltung

„Die AfD kommt. Wir kommen auch“ hieß es am 22.01.25 als die AfD Dachau ankündigte eine Wahlkampfveranstaltung im Thoma Haus in der Dachauer Altstadt durchzuführen. Über 50 Menschen ließen es sich nicht nehmen der extrem rechten Partei zu zeigen, womit sie es bei ihrem Durchmarsch in die Vergangenheit zu tun bekommen. Mit Feuer, Rauch, Sprechchören und einer großen FCK AFD Fahne zog man vom Schrannenplatz in einer Spontandemo Richtung Thoma Haus. Dort gab es zur Verwunderung aller keine Polizeipräsenz, so dass der Eingang belagert werden konnte. Die AfD war sichtlich ebenso überrascht wie zögerlich und machte das, was selbstbewusste stolze Deutsche in so einer Situation eben machen – sie riefen die Polizei.

Diese ließ aber lange auf sich warten. Als erster traute sich der Vorsitzende des AfD Kreisverband Dachau Dietmar Renner (Odelzhausen) vor die Tür und beobachtete das Geschehen lümmelnd mit der Hand in der Hosentasche. Damit zeigte der ehemalige Berufsoffizier der Bundeswehr eine gar schlampige Haltung, ging es bei ihnen thematisch doch u.a. um Wehrpflicht. Die Veranstaltung wurde auch von der verschwörungsideologischen extrem rechten Plattform „Klardenken TV“ live gestreamt. Der Gegenprotest war anscheinend interessanter, so begann eine Frau mit Kamerastativ und Begleitung den Gegenprotest zu filmen. Allerdings wurde sie dabei wortwörtlich abgeschirmt, worauf die Filmerin die Nerven verlor und versuchte mit dem Kamerastativ zuzuschlagen. Endlich fassten sich vier aufrechte Deutsche ein Herz und stellen sich vor den Eingang. Die Meinungsfreiheit – das zweite Thema des Abends – wusste Stadtrat Markus Kellerer unzureichend zu nutzen. Die treibende Kraft in der Dachauer AfD war nur zu einzelnen Worten („Afghanenfreunde“) oder unvollständigen Sätzen („Filzläuse in den Dreadlocks“) fähig. Schließlich kam mit der Polizei die ersehnte Hilfe und erklärte das Geschehen zu einer Versammlung. Es waren nur nicht alle bereit die Vermummung für „Klardenken TV“ abzunehmen.

Der Protest verlagerte sich an die Straße mit Parolen, Musik und entsprechendem Empfang der letzten eintrudelnden AfD Gäste. Mit „2x hupen gegen die AfD“ gelang noch Interaktion über den Gegenprotest hinaus und auch die Dachauer Busfahrer*innen müssen wieder einmal als solidarisch beschrieben werden, als auch sie mit erhobenem Daumen ihre Sympathie zeigten.

Wie viele Teilnehmende die AfD verzeichnete, kann nicht in Gänze gesagt werden, da die Anhängerschaft mit einem Essen für die geplanten Deportationen gestärkt wurde und sich die meisten daher weit vor dem angesetzten Beginn bereits im Saal befanden. Die über 20, die erst eine halbe Stunde vor Beginn kamen, fielen zu 99 Prozent in die Kategorie „alter weißer Mann“. Kann so das Faible in der Dachauer AfD für das neofaschistische Netzwerk „Ein Prozent“ erklärt werden? Nein so wird das nichts mit der kulturellen Hegemonie – zumindest nicht in Dachau. Sie müssen sich in städtischen Räumen hinter Polizeischutz verstecken, die Straße gehört ihnen nicht! So sehr verärgert darüber, versuchte der Herr Stadtrat nachts nach der Veranstaltung eine einzelne von ihm als links ausgemachte Person zu schlagen. So sieht es dann aus, wenn sie denken es sieht niemand mehr zu.

Aber das ist ebenso wenig eine Überraschung wie es insgesamt lustig ist. Die offen angekündigte „millionenfache“ Deportation von Menschen ist eine eindeutige Ansage einer extremen Rechten, die sich bereit sieht die Machtfrage zu stellen. Wer im Programm finanziell profitiert gerät dabei oft in den Hintergrund. Belohnen will die AfD einer Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge die Reichsten – nur die FDP plant in ihrem Wahlprogramm mehr Plus für Jahreseinkommen von 250.000 bis 2 Millionen Euro, keine andere Partei will den untersten Lohngruppen mehr nehmen. Wie man diese Ziele erreichen will, macht Markus Kellerer am Vortag der Veranstaltung in einem auf X geteilten Post des neofaschistischen Autors Benedikt Kaiser deutlich, der mit den Worten beginnt: „Wahlen verändern vieles, niemals alles.“

Soweit sind sie aber noch lange nicht! Dachau bleibt stabil! Alle zusammen gegen den Faschismus!