Klassenkampf im Krankenhaus
Analog zum vorherigen Beitrag ein (unvollständiger) Überblick:
Nicht erst mit der Covid-19 Pandemie traten Krankenhäuser als Konfliktfelder in der Klassenauseinandersetzung zutage. Auch historisch war in Kliniken der Widerspruch der Arbeiter*innen Anlass für breite Mobilisierungen. In der Hochzeit der Arbeiter*innenautonomie in Italien wurden v.a. in Rom bemerkenswerte, weit über die dortige Poliklinik hinaus gehende Kämpfe geführt – hier spielten Feministinnen eine gehörige Rolle. Ende der Achtziger schwappte eine von Frankreich ausgehende selbstorganisierte Krankenschwestern-Bewegung in die BRD über. Zu dieser Zeit kam der Begriff der “weißen Fabrik” auf. Ein Begriff, der die heutigen Zustände absolut präzise umschreibt.
Mit der Einführung der so genannten Fallpauschalen (DRG) brach 2004 ein vormals ungekannter Konkurrenzdruck vom Zaun, der Einsparungen und einen damit verbundenen harten Personalabbau zur Folge hatte. Arbeiten im Krankenhaus ist heute gekennzeichnet durch einen enormen Arbeitstakt fließbandartiger Tätigkeiten, deren Arbeitsteilung in etliche einzelne Segmente verschiedener Beschäftigungsgruppen mit einer Hierarchie von qualifizierten bis prekär Beschäftigten in eigenen oder externen Lohndumping Firmen bedeutet. Diese Tätigkeiten werden mehrheitlich von Frauen und zunehmend von Migrant*innen ausgeübt.
Konzerne wie Asklepios oder eben Fresenius-Helios profitieren von diesen Zuständen und verdienen auf dem Rücken der Arbeiter*innen mit kranken Menschen Geld. Anders als in von Umbrüchen betroffenen Zweigen der produzierenden Industrie ist der „Gesundheitsmarkt“ aufgrund der demographischen Entwicklung ein schier nicht versiegender, welcher stetige Gewinne verspricht – sofern er nach den Gesichtspunkten kapitalistischer Ökonomie geführt wird. Das bedeutet, dass kleine öffentliche Klinken schließen sollen und große, von Konzernketten geführte Kliniken oder Universitätskliniken, schließlich übrig bleiben.
Die anfängliche Empörung über die Zustände in den Krankenhäusern zu Beginn der Pandemie erwies sich rasch als Sturm im Wasserglas, wenngleich auch die Bedeutung des Gesundheitssektors und die in ihm stattfindenden Kämpfe, sowie ihr Potential analysiert wurden.
Und dennoch fanden und finden in den letzten drei Jahren international Kämpfe von Krankenhaus-Arbeiter*innen für bessere Arbeitsbedingungen statt. In den USA, Argentinien, Kolumbien, Großbritannien, Frankreich, Bulgarien, Tschechien und in Deutschland in Berlin, NRW und eben in Dachau.
Es fällt nichts, wenn es nicht nieder gerissen wird