[autonomia dachau]

Kranzniederlegung in Gedenken an den Dachauer Aufstand

Am 26.4.2015 führten Antifaschist_innen eine Kranzniederlegung an der Gedenktafel für den Dachauer Aufstand durch. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurden am 28.4.1945 sechs Antifaschisten von der SS vor dem Rathaus aufgestellt und erschossen. Wir dokumentieren den Redebeitrag:

Wir gedenken hier und heute dem Dachauer Aufstand. Am 28. April 1945 stürmten bewaffnete Arbeiter_innen und geflohene Häftlinge des Konzentrationslagers das Rathaus. Mit Teilen des übergelaufenen Volkssturms hielten sie das Rathaus und die Altstadt besetzt. Ziel war es eine Liquidierung des Konzentrationslagers und die Verteidigung der Stadt zu verhindern. Die SS schlug den Aufstand blutig nieder. Am darauf folgenden Tag, den 29. April 1945 wurde Dachau von der US Armee befreit.

Der Dachauer Aufstand taucht bis heute nicht in der offiziellen Geschichtsschreibung auf. Außer ehemaligen Häftlingen und wenigen Einzelpersonen, hielt es niemand für nötig sich dessen zu erinnern. Es war von offizieller Seite aus vorrangiger einen wesentlichen Aspekt lokaler antifaschistischer Geschichte auszublenden, statt sich einzugestehen, dass es einfache Menschen aus der Arbeiter_innenklasse und ausgebrochene KZ-Häftlinge waren, die hier den Lauf der Geschichte selbst bestimmen wollten. Der kommunistische Hintergrund eines Teils der Aufständischen kann als Grund für diesen bewussten Gedächtnisverlust gesehen werden. Antikommunismus war der ideologische Kit, der – mit Abzug des Antisemitismus – die Nachkriegs-BRD zusammen hielt und der eine Kontinuität zur NS Herrschaft darstellte. Auch und vor allem in Dachau. Jahrzehnte lang mussten ehemalige Häftlinge für die Erinnerung an die Gräuel des NS kämpfen. Gedenkveranstaltungen wurden behindert und diskreditiert, zum Teil sogar verboten. Gerade von konservativer Seite aus, wurde immer wieder gefordert das Lager abzureißen, die Errichtung einer Gedenkstätte zu verhindern.

Bei der Konfrontierung mit der Geschichte Dachaus fühlten sich Politiker_innen reflexartig geradezu provoziert.

Öffentliche Äußerungen blieben nahezu unwidersprochen. 1955 behauptete der Dachauer Bürgermeister Hans Zauner gegenüber einer britischen Zeitung, die Häftlinge im Lager seien keine Helden gewesen, da sie ja gegen die Regierung opponiert hätten. Der stellvertretende Bürgermeister Georg Engelhardt lies 1986 im Bierzelt über ein mit der Gedenkstätte verbundenes Jungendgästehaus abstimmen und verkündete, er werde „bis zum letzten Blutstropfen“ dagegen kämpfen. Nach Zauner wurde eine Straße benannt. Engelhardt ist bis zum heutigen Tag Ehrenvorsitzender der Dachauer CSU.

Erst Anfang der Neunziger Jahre wurde begonnen sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Mittlerweile begreift Dachau sich als „Lern- und Erinnerungsort“. Und so sehr sich auch bemüht wurde die Zeit des Verdrängens und Relativierens hinter sich gelassen zu haben. Es bleibt eine eindimensionale Geschichtsschreibung, die die Sichtweise bürgerlicher Herrschaftsstrukturen widerspiegelt. Vorkommnissen am rechten Rand, rassistischen Mobilisierungen und Übergriffen in der heutigen Gesellschaft steht man nach wie vor hilflos und oft untätig gegenüber. Man genügt sich mit Betroffenheitsbekungungen und symbolischen Schulterschlüssen, statt konsequent und offensiv gegen Neonazismus, Antisemitismus und Rassismus vorzugehen. Daher bleibt der Dachauer Aufstand ein Beispiel für alle Antifaschist_innen, dessen Vermächtnis nicht vergessen werden darf. Ihr Kampf war nicht umsonst. Es gibt nichts zurück zu nehmen. In unseren heutigen Kämpfen sind wir in Gedanken immer bei ihnen.

Auch heute werden Antifaschist_innen vom Verfassungsschutz überwacht, werden Antifaschist_innen von politischer Seite gemäß der Extremismus-Theorie mit der extremen Rechten gleichgesetzt, sind Antifaschist_innen staatlichen Repressionen ausgesetzt. Antifaschismus ist absolut legitim und notwendig und steht dabei Staat, Nation und Kapital nach wie vor unversöhnlich gegenüber! Solange es nötig ist!

Kein Vergeben – Kein Vergessen