Kranzniederlegungen von Neonazis des “Dritten Weg”
Nach ihrem Aufmarsch in Wunsiedel am 12.11.2016 legten die Neonazis der Kaderpartei “Der Dritte Weg” am 13.11.2016 mehrere Kränze an Kriegsdenkmälern nieder. Anlässlich des offiziellen “Volkstrauertags”, den die Neonazis mit der Bezeichnung aus dem NS “Heldengedenken” titulieren, versuchten sie sich mit Kleinstaktionen in Szene zu setzen. Neben dem Denkmal im mittelfränkischen Gräfenberg wurde laut den Berichten der Neonazis v.a. in Oberbayern dem Nationalsozialismus gehuldigt. Bereits am 9./10. November legten sie vor der Feldherrenhalle in München ein Transparent aus, um den Hitlerputsch vom 9.11.1923 zu verherrlichen und eine Provokation bezüglich der Gedenken zur Progromnacht 1938 zu hinterlassen. Zuvor beteiligte sich der “Dritte Weg”am 7.11. an einer Pegida Demonstration an der Feldherrenhalle mit eigenem Transparent (“Wir sind das Volk”). Zeitweise konnten sie sich damit an die Spitze des kleinen Demonstrationszuges setzen.
In Oberstimm bei Ingolstadt wollen Mitglieder des “Stützpunkts München/Oberbayern” des “Dritten Weg” ein “würdiges Heldengedenken” abgehalten haben. Ein Foto zeigt zwei Personen mit schwarz weiß roten Fahnen vor zwei Grablichtern. In Oberschleißheim bei München stellten sich acht Neonazis mit Parteifahnen, Fackeln und vier Kränzen auf. Alle Aktionen wurden im Schutz der Dunkelheit durchgeführt und dürften keinerlei Außenwirkung erzielt haben. Aber den Neonazis dürfte es eher um Selbstbestätigung und Identitätsstiftung gehen. Im Nachhinein kann das dann noch als heroische Tat verklärt werden. Doch beklagen sie sich ganz unheldenhaft in der Bildunterschrift zur Aktion in Oberschleißheim darüber von der Polizei aufgehalten worden zu sein.
Im niederbayerischen Passau trat der “Dritte Weg” allerdings bei den offiziellen Feierlichkeiten auf. Ein Bericht des Infoticker Passau
*“Während die offizielle Trauerfeier in der Kirche St. Severin (Innstadtfriedhof) bereits begonnen hatte, stellten sich die Neonazis vom Dritten Weg und ihr Gesinnungsgenosse Martin Gabling (Kreisvorsitzender NPD Passau) in Formation auf um – fotogerecht – mit einem Kranz auf den Friedhof zu ziehen. Unter den Blicken der örtlichen Polizei wanderte die Truppe, bestehend aus 13 Neonaziaktivist*innen (sowie zwei Kinder) und ihr „Stützpunktleiter“ Walter Stohmeier, zur Gedenkstätte, an der die offizielle Trauerfeier später mit einer Gedenkminute beendet werden sollte.
*
Dort formatierten sich die Nazis wiederum und nahmen Schulter an Schulter mit allen anderen Trauerfeierbesucher*innen an den Feierlichkeiten teil.
Lediglich der mitgebrachte Kranz der faschistischen Partei durfte während der Zeremonie selber nicht gehalten werden. Der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper, der nach eigenen Angaben rechtlich keine Verfügungsmacht hatte die Nazis des Platzes zu verweisen, bedankte sich bei allen Anwesenden und mit Blick auf die Nazis, dafür, dass alle zusammengekommen seien um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.
Nach dem Ende der Feierlichkeiten und nachdem die restlichen Besucher*innen den Ort verlassen hatten, posierte die extrem rechte Partei noch eine Zeit lang vor der Denkmalstätte mit ihrem Kranz, legte diesen nieder, und schoss einige Gruppenfotos. Die Polizei war mit 4 bzw. 6 Streifenpolizist*innen vertreten und griff nicht weiter ein. Bei einer späteren Personenkontrolle nahmen sie die Personalien einiger der Neonazis auf, liessen diese ansonsten jedoch unbehelligt. Die anwesenden Beamten vom Staatsschutz hielten sich ebenfalls bedeckt.
Anschließend machten sich die Parteimitglieder auf den Weg in die Stadt und kehrten im Bayerischen Löwen ein, der die Neonazis jedoch nach Intervention einiger Antifaschist*innen strikt des Hauses verwies und somit ein großartiges Beispiel an Zivilcourage bewies.
Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Polizeistreifen längst verabschiedet und so gelang es den gewaltbereiten Faschisten in der Fussgängerzone ihrem Frust durch Übergriffe auf Passant*innen, ihre politischen Gegner*innen und Vertreter*innen der Presse Luft zu machen. [Danke liebe Passauer Polizei, für gar nichts, außer konsequentes Verhindern antifaschistischer Arbeit durch Platzverweise].
Offensichtlich aufgebracht über den nicht reibungsfreien Ablauf des Tages, machten sich die Aktivist*innen des Dritten Weges auf den Weg zu ihren Autos und verließen die Innenstadt. Ihren eigenen Angaben nach, besuchten sie anschließend das Grab des verstorbenen Altnazis Friedhelm Busse in Patriching und das Grab des im Jahr 2015 verunglückten Lutz Ö. in Grubweg.”
Laut einer Meldung auf linksunten.indymedia.org wurden die Kränze bereits “fachmännisch entsorgt”.