Lokale Geschichte – 90 Jahre bayrische Rote Armee
Räterepublik Bayern 7. April – 1. Mai 1919
“In der bayrischen Roten Armee dominieren die USPD und die KPD. Die Unabhängigen sind in Bayern die stärkste der linksradikalen Parteien, die KommunistInnen dafür die treibende Kraft im Aufbau einer Roten Armee. In den ersten Tagen der Bayrischen Räterepublik werden zwar schon erste Schritte zur Bildung einer Roten Armee unternommen, etwa die Einrichtung von Werbebüros in Kasernen, aber die Mehrheit der Münchner Soldaten bleibt abwartend. In Diskussionen über den geschlossenen Übertritt der Münchner Garnisonen zu einer Roten Armee herscht unter den Kasernen- und Soldatenräten Uneinigkeit. Die Mehrheit der Regimenter stellt sich hinter die Räterepublik, bleibt jedoch in ihren alten Verbänden. Trotzdem patrouillieren rote Soldaten in Fürth, Würzburg, Passau, Lindau, Rosenheim und Kolbermoor durch die Straßen, um die Rätemacht zu demonstrieren. Faktisch wird eine eigenständige Rote Armee erst nach dem gegenrevolutionären Putschversuch in München am 12. April 1919 aufgestellt. Hierbei drängt vor allem die KPD auf energische Schritte zur Bildung dieser proletarischen bewaffneten (Schutz-) Macht. Daraufhin wird der rote Matrose und KPD-Mitglied Rudolf Eglhofer zum Oberkommandierenden der bayrischen Roten Armee ernannt. Auf dem Höhepunkt der Mobilisierung zur Verteidigung der Räterepublik sind ca. 20 000 KämpferInnen in der bayrischen Roten Armee organisiert.
Ihre wichtigste Einheit ist die Armeegruppe Dachau mit etwa 2000 RotarmistInnen und einer Artellerieabteilung. Zwei Drittel dieser Armeegruppe sind ArbeiterInnen, das restliche Drittel kommt aus der Landbevölkerung. In Dachau kämpfen auch etwa 20 italienische und 80 russische Kriegsgefangene mit. Fast alle von ihnen werden nach der Auflösung der Roten Armee von den Weißgardisten gefoltert und ermordet.”(S. 64)
15. April 1919
“Nordbayrische Truppen versuchen auf Befehl der Hoffmannregierung, München einzunehmen und marschieren von Dachau aus auf die bayrische Hauptstadt zu. Dachau, ein reicher und ländlich geprägter Ort 18 km nordwestlich von München, ist strategisch gesehen der ideale Ausgangspunkt für einen Angriff. In den Nachmittagsstunden, als erste Berichte vom Anmarsch einer weißen Truppe in München bekannt werden, eilen sofort Gruppen bewaffneter ArbeiterInnen zu den Ausfallstraßen nach Dachau. Es gesellen sich bald noch etliche Parteimitglieder der KPD mit Waffen hinzu, sodass relativ schnell über 1000 Bewaffnete in Allach auf den Feind stossen. (….) Die roten KämpferInnen können die Weißgardisten aufhalten und diese müssen sich wieder nach Dachau zurückziehen. Dort stehen sich die beiden Parteien zunächst gegenüber und beziehen feste Stellungen. (….) Am Abend rückt die Rote Armee auf Dachau zu und nimmt die Ortschaft kampflos ein. In der Zwischenzeit sind nämlich aus der örtlichen Pulverfabrik ArbeiterInnen zu den feindlichen Truppen geeilt, um auf sie durch antimilitaristische Propaganda einzuwirken. Vor allem die proletarischen Frauen erreichen, dass sich die weiße Truppe tatsächlich auflöst. Der größte Teil des Offiziersstabes flieht auf Automobilen und der Roten Armee fallen vier Geschütze, viele Maschinengewehre und vier Offiziere in die Hände. Die rote Armeegruppe baut in den tagen Abwehrstellungen mit Schützengräben bei Dachau auf. Viele Proletarierinnen treten als Sanitäterinnen und Kurierinnen in die Rote Armee ein.” (S. 27)
aus dem unveröffentlichten Buch eines Genossen:
“Wie eine Sturmwoge – der bewaffnete proletarische Kampf in Deutschland 1870 bis 1945”