[autonomia dachau]

MAN kündigt harte Einschnitte und Verlagerung der Produktion an

Bei MAN deutet sich erneut nichts Gutes an. Man wolle Entscheidungen treffen, “die gravierende Auswirkungen auf die Zukunft der deutschen Standorte haben, insbesondere für das Stammwerk in München“. Bereits 2020 wurde ein harter Stellenabbau angekündigt, später war von der Absicht die Rede 3000 der 9000 Stellen in München abzubauen – wozu es nicht kam. Begonnen wurde mit der Kündigung einer Beschäftigungsgarantie. Eine Konzernsprecherin wird jetzt zitiert, dass die MAN Truck & Bus SE „aufgrund seiner starken Präsenz in Deutschland deutliche Wettbewerbsnachteile durch hohe Faktor- und Stromkosten“ habe (1). Nicht nur das. Auch die Lohnkosten werden als zu hoch angesehen, nur spricht das niemand aus.

So werden immer wieder Auslagerungen nach Osteuropa anvisiert, da dort die Löhne erheblich geringer sind. So war es 2020/21 und auch heute steht dies wieder im Raum.

Karlsfeld bzw. München ist Firmenzentrale, Entwicklungszentrum und Hauptproduktionswerk für Lastwagen mit Fahrerhausausstattung und Montage geblieben. Teile der LKW Fertigung sollen nach Krakau (Polen) gehen, die Bus Tests gingen nach Ankara (Türkei). Elektroantriebe und Bau von Elektro- und Dieselantrieben sollten in Nürnberg stattfinden. Das Werk in Steyr (Österreich) wurde geschlossen.

Der Stellenabbau der letzten Jahre lief durch das nicht Nachbesetzen auslaufender Arbeitsverträge, Modelle von Altersteilzeit oder das Kündigen von Leiharbeiter*innen. 3500 Stellen sollten es bundesweit sein. Dennoch wurden für eine temporäres Produktionshoch im Jahr 2023 kurzfristig 10.000 rumänische Arbeiter*innen angeheuert und danach wieder zurück geschickt. Paradox ist z.B., dass trotz abgebauter Stellen in manchen Abteilungen mehr produziert wurde bzw. mehr Arbeit anfiel, u.a. wegen dem Stellenabbau bei nicht gleich verminderter Produktion, aber auch wegen komplizierten Schichtänderungen.

Sieht man sich die Ende Oktober veröffentlichten Zahlen bis September genauer an, ist die Trucksparte tatsächlich um 5% auf 44.047 Einheiten gesunken. Das operative Ergebnis sank um 155 auf 557 Millionen Euro. Nach oben um 34,9% ging es dafür bei den Bussen und beim Absatz voll elektronischer Fahrzeuge ging MAN mit einer Steigerung von 184% durch die Decke. Zum Halbjahr waren es sogar 238% (2). Drei Monate vor Jahresende wurden erstmals 1.000 elektrische Busse und Trucks innerhalb eines einzigen Jahres verkauft. Der gestiegene Absatz der Busse um 35% könne die anderen Absatzrückgänge auffangen. MAN spricht von einem „robusten Ergebnis in schwachem Markt“ (3). Klingt doch gar nicht so schlecht. Dennoch spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

In der gesamten Autoindustrie wurden im Jahr 2025 bislang 48.700 Stellen abgebaut (4), davon sind allein bei VW 25.000 vertraglich besiegelt (5). Die MAN Truck & Bus SE gehört dem in München ansässigen Konzern Traton SE – Mehrheitseigner der Traton ist VW. MAN und der schwedische Scania bilden die LKW Sparte von VW und Scania ist wesentlich produktiver als MAN. Daher weht auch der Wind.

Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge trug wesentlich dazu bei die Belegschaften anders zusammen zu setzen, da für diese Produktion weniger Arbeitsschritte und damit weniger Arbeitskräfte benötigt werden. Die Krise in der Pandemie wurde als Begründung für die Einschnitte ab 2020 genutzt. Am Ende wurden Stellen abgebaut, die schon seit ca. zehn Jahren outgesourced werden sollten.

Kündigungen werden aktuell durch das Management ausgeschlossen, eine in Auftrag gegebene Studie legt eine Auslagerung der LKW Kabinenfertigung nach Krakau nahe, da sich deren Produktion in Deutschland nur rechne, wenn den Beschäftigten „viele Hundert Euro – pro Person und Monat“ gekürzt würden. Hier kommt der Auftritt der IG Metall, deren Funktionärin und MAN Aufsichtsrätin sich sicher ist, dass die Kolleg*innen bereit seien „persönlich zu verzichten und beim Sparen zu helfen“. Klar, wer verzichtet nicht gern aus freien Stücken, wenn der Geldgeber seit Jahren spart, Beschäftigungssicherungen kündigt, Mindestbeschäftigungszahlen unterschreitet und jetzt rein prophylaktisch ins Nachbarland Polen auslagert. Ein von der Gewerkschaft erstelltes Paket, das bis zu 50 Millionen Euro durch unbezahlte Mehrarbeit vorsehe, hat das MAN Management verworfen (6). Die Löhne in Polen sind halt doch einfach niedriger. Mit zwischen 1496 und 1950 Euro werden durchschnittliche Bruttolöhne in Polen angegeben. Sozialabgaben betragen nur 40% des deutschen Niveaus (7).

„Aber es ist keine Dystopie, es ist Kapitalismus. Das ist Horror genug.“ So endete der erste MAN Artikel zum Stellenabbau 2020. Die IG Metall verzapft nur Müll, ihre Anbiederungen an den Konzern werden schon lange entsprechend von den Kolleg*innen eingeordnet. Wirkliche Dynamik kommt nur dort zustande, wo nicht eine Monopolorganisation vorgibt die Interessen der Arbeiter*innen zu vertreten, sondern dort, wo sich die Arbeiter*innen selbst in Bewegung setzen. Man kann das im Kleinen am Helios Klinikum Dachau sehen oder bei Amazon, wo die Amazon Workers International (AWI) nicht nur über Landesgrenzen hinweg auftreten. In den AWI treten Arbeiter*innen verschiedener Organisationen zusammen auf. In Polen gibt es die Inicjatywa Pracownicza (Arbeiter*innen Initiative) – zufälligerweise auch bei VW und in Krakau.

(1) https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/man-lkw-hersteller-will-laut-bericht-lkw-produktion-nach-polen-verlagern/100176083.html

(2) https://press.mantruckandbus.com/corporate/de/man-truck–bus-mit-robustem-ersten-halbjahr-und-starkem-zweiten-quartal-2025/

(3) https://press.mantruckandbus.com/corporate/de/man-truck–bus-in-den-ersten-neun-monaten-2025-mit-robustem-ergebnis-in-schwachem-markt/

(4) https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/beschaeftigung-jobs-autobranche-100.html

(5) https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/volkswagen-mehr-als-25000-job-abgaenge-bei-vw-vertraglich-fixiert/100173430.html

(6) https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/man-stellenabbau-li.3341521

(7) https://www.gtai.de/de/trade/polen/wirtschaftsumfeld/loehne-und-gehaelter-1774754