[autonomia dachau]

Rassismus bricht sich Bahn in Dachau

Auf einer Informationsveranstaltung über geplante Flüchtlingsunterkünfte lassen dreiviertel der rund 600 Anwesenden ihrer aggressiven Ablehnung gegenüber Flüchtlingen freien Lauf. Eine Vertreterin des Arbeitskreis Asyl wird ausgebuht. In einem anonym im Stadtteil verteilten Flugblatt wird zum „Widerstand“ und zum „Kampf“ „für den Erhalt unserer sicheren Heimat“ aufgerufen. Nein, wir befinden uns nicht in Sachsen, sondern in Dachau!

So geschehen auf einer Asylinfoveranstaltung am 28.01.2016 im Ludwig-Thoma-Haus. Im Stadtteil Augustenfeld soll eine Traglufthalle für 300 Flüchtlinge, im Stadtteil Dachau-Süd Container für 120 Flüchtlinge errichtet werden. Im Vorfeld wurde jenes Flugblatt in Dachau-Süd verteilt und zur Teilnahme an der Veranstaltung aufgerufen. Der Saal war randvoll, die Stimmung von Anfang an aggressiv.

Die Ausführungen von OB Hartmann (SPD) und Landrat Löwl (CSU) über bundesweite Richtlinien, statistische Zahlen im Landkreis, wurden immer wieder durch rassistische Zwischenrufe kommentiert. Einige schenkten den Zahlen keinen Glauben, auch denen der Polizei nicht, anderen waren sie wohl schlichtweg egal. Der Grundtenor der „besorgten Bürger“ war eine prinzipielle Ablehnung. Rationalen Argumenten waren die wenigsten zugänglich. Für sie steht fest, dass man sich bald nachts nicht mehr auf der Straße bewegen kann, Töchter vergewaltigt werden, die Kriminalität steigt, die „Naherholungsgebiete“ nicht mehr ohne weiteres zugänglich sein werden, ja sogar die Natur dort in Gefahr ist. Flüchtlinge als Umweltrisiko, so weit ist es gekommen. Das sind keine Sorgen, das ist astreiner Rassismus. Geflüchtete werden hier nicht nur als minderwertig betrachtet, man sieht in ihnen keine Menschen.

In der Idylle des beschaulichen Dachau-Süd mit seinen Einfamilienhäusern schlägt die Sorge, man könnte ihnen eine Latte aus dem weißen Gartenzaun reißen, unmittelbar in blanken Hass auf Menschen um, die sie nicht kennen, nicht kennen wollen, deren Schicksal ihnen gleichgültig ist. Während man bei Aussagen von Landrat Löwl über eingeforderte Integration und Anpassung an hiesige Gepflogenheiten und Umgangsformen heftig nickt, können diese Menschen nicht einmal minimale Anstandsformen und Gesprächskultur einhalten. Der geäußerte Wortschatz lässt einen anderen Bildungsstatus annehmen, als das kleinbürgerliche Dachau-Süd eigentlich zu haben scheint. Das Wort Angst wurde oft genannt. Der Begriff Angst wird hier als Entschuldigung benutzt, um im nächsten Atemzug unverhohlen Hass auf andere zu äußern. Wie glaubhaft ist es beispielsweise, wenn via Facebook ein Bodybuilder Angst vor Flüchtlingen bekundet, welche größtenteils von den Strapazen der Flucht körperlich entkräftet sind?

Auffallend war eine Wortmeldung einer Mutter von zwei Töchtern, die nicht nur einstudiert wirkte, sondern im wesentlichen sämtliche Punkte des anonymen Flugblattes wiedergab. Im Flugblatt ist von einer „ersten Aktion“ die Rede. Damit war die Teilnahme an der Infoveranstaltung gemeint. Es wurde außerdem eine Petition mit 466 Unterschriften überreicht. Es besteht die Annahme, dass es in Dachau-Süd nicht bei derlei Aktivitäten bleibt. Man muss die Unentschlossenen überzeugen, nicht den Scharfmacher_innen auf den Leim zu gehen. Bei letzteren dürfte Hopfen und Malz verloren sein. Und hier heißt es ganz klar: Wer sich der Realität verschließt, mit dem kann man nicht diskutieren und mit dem wird auch nicht diskutiert.

Wir werden nicht zulassen, dass sich ein Mob auf der Straße bildet!

**Grenzenlose Solidarität

Refugees welcome

Fight Racism**