RECLAIM THE CITY – Back to the ROOTS!
Dachau hat einen Freiraum. Vielmehr, in Dachau wurde ein Freiraum erkämpft. Anfangs noch unter argwöhnischen Blicken der Stadt und der Nachbarschaft, hat sich dort eine Gruppe Jugendlicher einen Raum gestaltet, den sie selbstverwaltet aufrecht erhält. Soweit so gut. Die Jugendlichen haben einen Platz für sich und müssen nicht mehr zu Hause abhängen, die Stadt hat die etwas bunten Jugendlichen besser im Blickfeld. Damit das auch so weiter geht, wird von städtischer Seite auch immer mal wieder Geld in das selbstverwaltete Projekt gesteckt. Ist das überhaupt Selbstverwaltung? Ja und Nein. Nein, denn ohne die Unterstützung der Stadt wäre das Eiland bereits untergegangen. Ja, weil faktisch die gesamte Organisation von den Aktiven selbst getragen wird. Kein Sozialpädagoge oder Streetworker wirkt bei Entscheidungen mit. Also haben wir in Dachau ein von der Stadt toleriertes Projekt, das mit einem größtmöglichem Anteil an Selbstverwaltung betrieben wird, basierend auf gegenseitigem Einvernehmen. Was ja nicht schlecht ist. Nur wurde im im Laufe der Existenz die Perspektive verzerrt.
Freiräume nicht als Ziel, sondern als Ausgangspunkt für weitere soziale Emanzipation!
Ein Freiraum, so selbstverwaltet er auch sein mag, ist immer nur eine Nische innerhalb des Systems, aus dem man entfliehen möchte, dessen Konsumterror man sich zu widersetzen vermag. Wenn der Weg zum Ziel erklärt wird, läuft die Sache Gefahr genau die selben Herrschaftsmechanismen zu reproduzieren, die ursprünglich bekämpft werden sollten. Als soziales Projekt sollte der Blick immer auf die sozialen Bedürfnisse, nicht nur, der Jugendlichen gerichtet sein und muss sich letztendlich auch an seinen Ansprüchen messen lassen.
Denn soziale Deklassierung gibt es auch in Dachau. In dem Lager für Asylsuchende in der Kufsteinerstr. werden Menschen unter inhumanen Bedingungen gehalten. Gemäß der bayrischen Linie sollen sie vom Rest der Gesellschaft ausgeschlossen sein. Die Dachauer BürgerInnen ignorieren dies größtenteils.
Die Dachauer Vergangenheit im Nazifaschismus und deren „Aufarbeitung“ wird bürgerlichen Kräften überlassen, die am rassistischen Gesamtkonsens vorbei auf eine „gute Außenwirkung“ bedacht agieren und dabei Aspekte, wie antifaschistische Widerständigkeit, unter den Tisch fallen lassen. Ebenfalls werden alltäglicher Rassismus und rechtsextreme Vorkommnisse in keiner Weise öffentlich thematisiert.
In Dachau Ost leben MigrantInnen, Alte und sämtliche sozial Benachteiligte seit jeher aufeinander. Manche Eltern können sich Nachhilfeunterricht und dergleichen nicht leisten, während 500 Meter weiter an den Gymnasien SchülerInnen im dicken Schlitten abgesetzt werden.
Laut einer Meldung der Dachauer Arbeitsagentur Anfang Juli kommen dieses Jahr auf jede/n SchulabgängerIn 0,6 Ausbildungsplätze. Die Dachauer Tafel bekommt mehr Zulauf, die Caritas Dachau meldete im Juni, dass durch die Auswirkungen der Krise die psychische Belastung deutlich zunimmt und eine immer größere Zahl dieser nicht mehr Stand halten kann.
Wir haben nichts und wollen alles!
Es ist das kapitalistische System, dass die Menschen versklavt, seine Fühler bis in den letzten privaten Winkel ausstreckt, dass die Menschen voneinander entsolidarisiert, dass Menschen am Arbeitsplatz sofern vorhanden ihrer Arbeit- und Lebenskraft beraubt, dass Regungen dagegen mit Repressalien aller Art gewaltig zu vernichten weiß. Innerhalb dieses Systems kann es keine Freiheit geben! Es ist auf Ausbeutung aufgebaut. Dass Einige daran zu Grunde gehen ist einkalkuliert.
Eine befreite Gesellschaft kann nur jenseits der kapitalistischen Ausbeutungslogik entstehen. Eine sozialrevolutionäre Veränderung ist das Ziel. Man wird es uns nicht geben, wir müssen es uns holen.
Hoch von der Couch und raus auf die Straße.
KEIN FRIEDE MIT KAPITALISMUS & POLIZEISTAAT!