Stellungnahme der Streikenden von Neupack zur Anbiederung durch die NPD
Seit dem 1. November streiken die Beschäftigten des Verpackungsmittelherstellers Neupack (Hamburg-Stellingen und Rotenburg/Wümme) für einen Tarifvertrag. Doch mittlerweile geht es um mehr. Es geht um Beschäftigte, die fest entschlossen sind sich dieses mal durchzusetzen. Die Firma Neupack zeigt sich bis dato unnachgiebig und geht mit allen Mitteln gegen die Streikenden vor. Siehe Hintergrundartikel
Jetzt hat die NPD auf ihrer Homepage einen Artikel veröffentlicht: “Nationale Solidarität mit den Streikenden von Neupack”.
Hier die Antwort der Streikenden und des Soli-Kreises:
Wir scheißen auf nationale Solidarität – weil es die nicht gibt
Der zentrale Satz in dem NPD-Artikel lautet: “Wir Nationaldemokraten wissen, daß
sozial nur national geht”.
Damit wollen sie bei deutschen ArbeiterInnen im Trüben fischen genauso wie mit
der behaupteten nationalen Solidarität.
Es gibt nur Solidarität unter Beschäftigten, unter Werktätigen und die ist
international.
Sie benutzen einen linken Jargon, wenn sie von Raubtierkapitalismus schreiben,
sie benutzen Karl Marx als Kronzeugen, sie greifen sogar einen einzelnen
Kapitalisten, Krüger, an. Sie greifen sogar die Polizei als “Hilfstruppe des
Kapitals” an. Die Politik von “Rot-Rot-Grün oder Schwarz-Gelb” bezeichnen sie
als internationalistisch. All dies passierte schon mal – in den Jahren vor 1933!
Aber was für ein Unsinn, die Politik von SPD, FDP, CDU und Grünen als
internationalistisch zu bezeichnen. Sie machen Standortpolitik – gegen alle
anderen europäischen Staaten.
Nun passieren den Nazis bei dem Versuch, sich “deutschen Arbeitern”
anzuschmieren, weitere Fehler. Sie malen ein schreckliches Gemälde an die Wand:
Künftig drängen Polen, Bulgaren, Rumänen, Spanier, Italiener, Portugiesen und
Griechen “massenhaft auf den deutschen Arbeitsmarkt”. Konkret haben sie
übersehen, daß bei Neupack in Stellingen und Rotenburg etliche Angehörige dieser
Nationalitäten seit vielen Jahren und zwar recht friedlich und kollegial
nebeneinander arbeiten. Und seit Streikbeginn sich besser kennengelernt haben
und zusammengeschweißt worden sind. Und das kann auch keine Nazi-Propaganda
beeinträchtigen.
Die Nazis zeigen, daß sie keine Kenntnis von der Situation bei Neupack haben!
Erstens: Der angefahrene Arbeiter war kein Deutscher sondern ein 38 jähriger
Türkischstämmiger, der vom Bus mit den Streikbrechern (einem deutschen Fahrer)
angefahren wurde. Die urdeutsche Familie Krüger entließ ihn danach fristlos und
stellte Strafanzeige wegen Verkehrsgefährdung. Zweitens: Sie phantasieren von
einem geltenden Haustarifvertrag bei der Firma Neupack!! Um den zu erreichen,
streiken die Multi-Kulti-KämpferInnen in der zehnten Streikwoche. Drittens: Es
gibt keine 230 Streikenden. Es gibt 109 streikende ArbeiterInnen, 37
Streikbrecher bei den StammarbeiterInnen (die zum großen Teil über Tarif bezahlt
werden), 30 streikbrechende Angestellte (die über Tarif bezahlt werden) und 29
importierte streikbrechende ArbeiterInnen aus Polen. Die Nazis argumentieren
ähnlich wie die Krügers, die von einer Minderheit, die streiken.
Und diese Multi-Kulti-Truppe aus Deutschen und mit den Herkunftsländern: Türkei,
Polen, Griechenland, Kasachstan, Rußland, Bulgarien, Tschechien haben kein
rassistisches Verhältnis zu den polnischen StreikbrecherInnen, weil sie wissen:
Das sind genau so arme Schweine wie wir. Sogar ihre Verachtung ist ein Stück
weit begrenzt, weil sie sich fragen, wie schlecht muß es den polnischen
StreikbrecherInnen gehen, daß sie sich über Solidarität und Moral hinwegsetzen?
Und geschichtsschludrig sind unsere Nazis auch noch: Bismarck führte vorsichtig
erste soziale Leistungen ein, voller Furcht und in Abwehr vor der erstarkenden
Arbeiterbewegung. Und nach 1918, nach der von der SPD verratenen
Novemberrevolution (Sebastian Haffner) kamen weitere soziale Gesetzgebungen
hinzu – aus Angst vor der sozialen Revolution.
Soli-Kreis Neupack