[autonomia dachau]

Stellungnahme zum Artikel in der Dachauer SZ vom 5. April 2008

Dort heißt es:

“Antifaschistische Sticker

Erinnerungstafel am Bahnhof immer wieder beklebt

Dachau – Die anfänglichen Sorgen von Kulturamtsleiter Tobias Schneider haben sich nicht bestätigt. Als der “Weg des Erinnerns” im März 2007 eröffnet worden ist, befürchtete er, dass die Tafeln mit rechtsextremen Schriftzügen beschmiert werden könnten. Doch solche Graffitis hat die Stadt bisher nicht gefunden. Vielmehr kleben immer wieder antifaschistsische Sticker oder Parolen der Startbahngegner auf der Tafel am Dachauer Bahnhof, die restlichen Informationswände sind bis jetzt verschont geblieben. Wer sie dort befestigt hat, ist unklar. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren es nicht einmal die Organisationen, deren Slogan auf dem Auflkeber steht.”

Der letzte Satz ist durchaus korrekt. Die besagten Aufkleber sind öffentlich erhältlich und nicht den Personen vorbehalten, die sich als Mitglied in der oben genannten “Organisation” wähnen. Dass antifaschistische Aufkleber auf einer antifaschistischen Gedenktafel für die Opfer der Nazi – Diktatur auftauchen, dürfte nicht als skandaltauglich bewertet werden. Auch nicht, dass sie nicht mitten rein geklebt, sondern in der Ecke plaziert wurden, ohne etwas zu überdecken.

Allerdings halten wir eine Gedenktafel nicht als primär geeignetes Objekt für eine Verziehrung. Wir halten die Tafeln und den “Weg des Erinnerns” für eine wichtige Sache und den Erhalt des ehemaligen Konzentrationslager Dachau als Ort für geschichtliche Aufklärung für wichtig. Anders verhält es sich damit, wenn es sich um die Sache der Startbahn – Leute handelt, da ihre Thematik mit der Nazi Diktatur nichts zu tun hat und sie somit diese ungewollt verharmlost.

Ebenfalls muss man sich über den moralischen Hintergrund wundern. Ist ein antifaschistischer Aufkleber eine Schlagzeile wert? Scheinbar schon. Wenn in dem Artikel die Rede davon ist, dass Kulturamtsleiter Schneider letztes Jahr befürchtete, Nazis könnten die Tafeln vollschmieren, dies aber nicht eingetreten ist, dann ist das schon richtig – im Bezug auf die Gedenktafeln. Als letztes Jahr von Mai bis Juni in Dachau über 30 Nazischmiereien auftauchten, ist Herr Schneider wohl mit verschlossenen Augen zu seinem Arbeitsplatz gelangt. Damals war diese Tatsache der Dachauer SZ keine Meldung wert, bis die Täter von der Polizei hochgenommen wurden.

Als aktive Antifaschist_innen in Dachau fühlen wir uns natürlich geehrt, dass man unsere Existenz auch den ZeitungsleserInnen mitteilen will. Aber der Anlass des Artikels ist eigentlich nur viel Qualm um nix und hat uns wieder vor Augen geführt, dass seit der Weimarer Zeit – oder auch davor? – der Feind halt links steht.

Trotzdem vielen Dank,

ihre assoziation autonomer umtriebe dachau