Betriebsgruppe probt Aufstand im Klinikum Dachau
Artikel in der FAU- Zeitung “Direkte Aktion” Nr. 164, Juli 2004
Die Amperkliniken AG ist der größte Arbeitgeber Im Landkreis Dachau; das Klinikum besteht seit Mitte der 70er Jahre, anfangs war es noch dem Landkreis eigen, wurde es im Laufe der Zeit schrittweise privatisiert und im März 02 von einer GmbH in eine AG umgewandelt. Doch der Landkreis hat noch immer mitzureden, da er unter dem Vorsitz des seit über 20 Jahren amtierenden CSU- Landrats Christmann fast die Hälfte des Aufsichtsrats stellt.
Zum Jahreswechsel 03/04 wurden sämtliche freiwilligen übertariflichen Leistungen (Ballungsraumzulage, damit verbundener Kindererhöhungsbeitrag) gestrichen, zusätzlich führte man eine neue Arbeitszeitregelung ein, um die Ausgaben für Feiertagsarbeit zu mindern; außerdem werden Stellen, die frei sind, nicht nach besetzt, keine Auszubildenden übernommen, sowie Fortbildungen für Mitarbeiter (im medizinischen Sektor!?) nicht mehr bezahlt. Ärzte, Krankengymnasten, Küche, und auch Reinigungsdienst wurden in eine jeweils eigene GmbH „outgesourct“. Dies hatte zur Folge, dass in den beiden letzten dieser Bereiche kurzerhand einige Stellen gestrichen wurden. Zusätzlich wird versucht, in Rundschreiben, mit Aussagen wie „es geht auch um ihren Job“ ein Klima der Angst zu erzeugen. Aber um ein solches kommunales Krankenhaus wettbewerbsfähig zu halten, verwirklicht man etliche Bauvorhaben, wie Neubau der Frauenklinik, eines Parkhauses, ein neues Bettenhaus. Bereits fertig gestellt ist das „Amper Vital“- Fitnesscenter, inkl. Espressobar, Wellnessbereich und Friseur. Ablehnung fand allerdings eine Arbeitszeiterfassung, da dadurch die tatsächlichen Überstunden der Ärzteschaft, sowie des Personals auf den Pflegestationen ans Tageslicht kommen würden. Nicht gerade förderlich ist auch die eigenbrötlerische Hinterzimmeraktivität des Betriebsrats, die ein bedauerliches Widerstandsvakuum entstehen ließ.
Aus diesen Gründen verfasste eine autonome Betriebsgruppe der ein Flugblatt, in dem mittels Angabe von Zitaten aus den betriebsinternen Nachrichten, sowie der bürgerlichen Presse, die Situation ironisch kommentiert wurde. Kurz nach Auftauchen der „roten Zettel“ waren diese Gesprächsthema Nr.1 unter den Mitarbeitern, keiner verstand sie als Belästigung, eher als Bestätigung der Gefühle, die niemand auszusprechen wagt. Einzelne Abteilung fertigten sogar eigenhändig Kopien an und legten diese aus. Doch auch die Reaktion der Geschäftsführung ließ nicht lange auf sich warten, denn sie empfand das Ganze nicht nur als Belästigung, sondern als Kriegserklärung. Und so kam es, dass der Vorstand, der sonst nur zur Betriebsvollversammlung das Haupthaus betritt, persönlich sämtliche Flugblätter einsammelte. Ein Mitarbeiter wurde noch am selben Tag als „üblicher Verdächtiger“ „wir werden sie am höchsten Baum, den wir auf dem Gelände finden, aufhängen“, einzuschüchtern. Außerdem wurde ihm gesagt, dass in 20 min der Verfassungsschutz vor seiner Tür stehe, und der wäre nicht so verständnisvoll wie sie. Im Endeffekt erwies sich alles als bloße Schaumschlägerei, da keine rechtliche Handhabe zu finden ist; es kam lediglich zu einer Anzeige gegen Unbekannt wegen Hausfriedensbruchs. Bei einer Begehung der Personalwohnungen nur bei Auszubildenden und Zivildienstleistenden wurden zudem antifaschistische Poster Einiger als „verwerfliche Einstellung“ vor die Geschäftsführung zitiert. Dort versuchte man, ihn, trotz Beiseins des Betriebsrats, unter Androhungen wie denunziert; man dulde keine linken Parolen. Trotzdem kann die Aktion als Erfolg gewertet und als Anfang verstanden werden, die Mitarbeiter aus ihrer Lethargie zu reißen und ihnen ihre zahlenmäßige Überlegenheit vor Augen zu führen. Denn gemeinsam sind wir unausstehlich!!
Einschüchterung von als unliebsam empfundenen Mitarbeitern ist hier an der Tagesordnung, doch blieb oben genannte Anzeige bis dato ohne Konsequenz.
Nach diesem ersten Kennenlernen sollte die Bekanntschaft der Amper Kliniken AG mit der Betriebsgruppe noch nicht zu Ende sein. Um die Mitarbeiter weiterhin auf die Missstände aufmerksam zu machen wurden neue Flugblätter verfasst und ein Infotisch vor dem Krankenhaus angemeldet (natürlich auf städtischem Gelände)
Vielleicht mag es ja in München normal sein, einen Infotisch anzumelden oder Flugblätter zu verteilen, doch reicht dies in der provinziellen Bananenstadt Dachau (man erinnere sich an den Wahlbetrug der CSU bei den Stadtratswahlen vor 2 Jahren) schon aus, um sämtliche Alarmglocken zum Läuten zu bringen.
Innerhalb kürzester Zeit drangen die optisch schwarz/roten Tendenzen bis an die höchste Stelle der Klinik durch: der Freund und Helfer wurde verständigt. Die nach Überprüfen der Genehmigung etwas hilflos wirkenden Polizisten hatten lediglich zu beklagen, dass ein Tischbein auf dem Krankenhausgelände stand. Dieses Problem konnte jedoch schnell zu ihrer Zufriedenheit behoben werden. Ein Herr, der nach eigener Aussage der Geschäftsführung angehört (inkl. schweigsamem Begleiter, der mit verschränkten Armen seelischen Beistand leistete) ließ auch nicht lange auf sich warten. Er schien sehr aufgeregt und verteidigte das „innovative“ Klinikmanagment, konnte aber (man machte sich ja schließlich Sorgen um den Blutdruck des Herren) besänftigt werden, allein schon dadurch, dass die anwesenden FAU- Mitglieder ihn davon überzeugen konnten, in Sachen Arbeit nicht ganz ahnungslos zu sein.
Einige Krankenpflegeschüler besuchten den Tisch im Laufe des Tages, nahmen Infomaterial mit, hängten die Flugblätter anschließend auch in der auf dem Krankenhausgelände liegenden Schule auf und verteilten sie in den anderen Klassen. Sie waren so angetan, dass sie einige mehr mitnahmen, mit der Absicht, diese auch auf den Stationen auszuhängen.
Da man sich mit einem Infotisch nicht auf das Klinikgelände wagen kann, war der Platz an der Haupteinfahrt noch der günstigste, auch wenn man dort nur wenige der Arbeiter direkt erreichen kann, da diese von den Parkplätzen kommen und die Hintereingänge benutzen. So waren es doch mehr Besucher und Anwohner, die aufmerksam wurden, der Tisch befand sich gegenüber der Bushaltestelle „Kreisklinik“.
Doch dafür, dass nur wenige Mitarbeiter erreicht werden konnten war die Resonanz positiv und es bleibt zu hoffen, dass unsere Anliegen auf diesem Wege in die Klinik weiter getragen werden
Es zeigt sich: Wer außerhalb der (DG)Bedingungen kämpferische Betriebsarbeit macht, hat mit Schikanen und Repressalien zu rechnen! Wenn die ausbeutende Klasse denkt, man könne uns dadurch beeindrucken, hat sie die Rechnung ohne den sprichwörtlichen Wirt gemacht!
„Sie können uns das Herz aus der Brust reißen, doch sie werden sich daran verbrennen!!“ (weiße rose)
Es wird weiter gehen!
autonome Betriebsgruppe